Nierenprobleme
Katzennieren sind nur etwa vier Zentimeter lang und zwei bis drei Zentimeter dick,
haben aber eine ungemein wichtige Funktion im Katzenkörper. Ihre erste und vordringliche Aufgabe ist die
Entgiftung. Nicht mehr benötigte Mineralien wie Kochsalz und Kalium, aber auch Abbauprodukte aus dem
Eiweißstoffwechsel und Phosphate werden aus dem Blut gefiltert und verlassen den Körper mit dem Urin.
Dafür müssen lebenswichtige Stoffe wie der Energie liefernde Blutzucker und chemische Verbindungen,
die den Säuregrad des Blutes bestimmen, zurückgehalten werden. Weil die funktionsfähige Niere genauso
viel Wasser wie nötig ausscheidet und überdies Hormone produzieren kann, ist sie auch mitverantwortlich
für die Regulation des Blutdrucks. Außerdem bildet sie einen Stoff, der die Produktion von roten
Blutkörperchen veranlasst. Alle drei Funktionen sind ausgesprochen wichtig, und eine Nierenschädigung hat
daher ernsthafte Folgen für den ganzen Katzenkörper.
Zunächst muss unterschieden werden zwischen akutem Nierenversagen und chronischen Nierenerkrankungen,
die sich über längere Zeit hinweg entwickeln.
Die Ursache für akutes Nierenversagen ist in den meisten Fällen in einer anderen Störung zu suchen.
Dazu gehören Unfälle mit Schockzustand, Blut- oder Flüssigkeitsverlust oder Vergiftungen. Daher ist es
sehr wichtig, nach Unfällen die Nierenfunktion und somit als äußeres Zeichen die Urinmenge im Auge
zu behalten.
Die äußerlichen oder innerlichen Verletzungen können noch so gut versorgt werden - wird ein Nierenversagen
übersehen und nicht behandelt, dann ist das Risiko hoch, dass die Katze aufgrund der ausgefallenen
Nierenfunktion stirbt. Auch eine Mangeldurchblutung der Nieren während einer Narkose ist in seltenen
Fällen möglich. Es lohnt sich daher, den Tierarzt zu fragen, ob er begleitend zur Operation Infusionen
gibt, die dieses Risiko minimieren.
Es gibt auch entzündliche oder tumoröse Prozesse in der Niere selbst, die zu einer akuten Nierenerkankung
führen können.
Wesentlich häufiger ist aber bei der Katze das chronische Nierenversagen.
Unter der „chronische Niereninsuffizienz" leiden viele ältere Katzen. Die genaue Ursache lässt sich in den
allermeisten Fällen nicht feststellen. Sehr häufig sind Entzündungen des Nierengewebes für die
schleichende Verschlechterung der Nierenfunktion verantwortlich, deren Grund jedoch auch nicht bekannt ist.
Einlagerungen von Eiweiß in die Niere können ebenso wie Tumore für die Erkrankung veranwortlich sein.
Außerdem ist sie ein häufiges Begleitsymptom der Krankheit FIP. Bei Perserkatzen lässt sich oft eine
erblich bedingte Zystenniere feststellen. Dabei ist ein großer Teil des Nierengewebes durch Flüssigkeit
ersetzt.
Unabhängig von der Ursache verlaufen die Symptome der chronischen Niereninsuffizienz immer gleich.
Erstaunlicherweise kann die Niere noch so lange ihre Funktion erfüllen, ohne dass Krankheitserscheinungen
zu erkennen sind, bis etwa drei Viertel des Nierengewebes nicht mehr arbeiten.
Die Abfallstoffe im Blut steigen aber schon wesentlich früher weil die Niere ihre Filterfunktion nicht
mehr ausreichend erfüllen kann. Es ist daher von großem Nutzen, bei älteren Katzen einmal jährlich die
so genannten „Nierenrenwerte" im Blut zu messen. So kann eine chronische Nierenerkrankung rechtzeitig
erkannt und behandelt werden.
Weil, wie erwähnt, die Niere eine wichtige Funktion in der Regulation des Blutdrucks übernimmt, kann ein
Bluthochdruck auftreten, der die Einnahme gegenregulierender Medikamente nötig macht.
Ein schützender Effekt dieser Mittel für das noch arbeitende Nierengewebe ist nachgewiesen, so dass
mit diesen Medikamenten der Fortgang der Nierenerkrankung verzögert werden kann. Ebenfalls einen positiven
Effekt haben pflanzliche und homöopathische Mittel sowie die Akupunktur.
Auch die Funktion der Niere als Bildungsstätte des Stoffes, der die Produktion der roten Blutkörperchen anregt,
sollte beachtet werden. So sollte kontrolliert werden, ob eine Blutarmut vorliegt, und unter Umständen kann der
angesprochene Stoff von außen zugeführt werden. Diese Behandlung ist recht teuer, führt aber bei drei Viertel
der Katzen zu einer deutli
chen Verbesserung des Befindens. Direkt nach dem Feststellen der Diagnose kann eine Infusion sinnvoll sein,
weil der Körper durch den erhöhten Wasserverlust über die Niere ausgetrocknet wird und eine Infusion auch die
Mineralstoffverhältnisse sowie den Säurewert des Blutes wieder in Ordnung bringen kann.
Dr. med.-vet. Katja Sauer
©Geliebte Katze
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift
Geliebte Katze
Viel Durst und wenig Appetit sind Alarmzeichen
DROHT OFT BEI UNFÄLLEN
IST LANGE UNAUFFÄLLIG
Kommt es zu einer weiteren Anhäufung von Abfallprodukten im Blut, dann ergibt sich eine Art innerlicher Vergiftung.
Sie führt zu einer Entzündung der Schleimhäute vor allem im Verdauungstrakt. Zahnfleischentzündungen,
Erbrechen aufgrund der Magenschleimhautentzündung und Durchfall sind oft die ersten Symptome.
Vorher können jedoch oft schon mangelnde Fresslust und eine verminderte Aktivität/ die auf eine Muskelschwäche
aufgrund gestörter Mineralstoffverhältnisse zurückzuführen ist, auffallen.
Ein weiteres auffälliges Symptom ist der gesteigerte Durst. Weil die Niere ihre Fähigkeit verliert, ausreichend
viel Wasser im Körper zu behalten, trinken die Katzen deutlich mehr als vorher. Dem Besitzer kann auch ein
hellerer Urin oder ein häufigeres Benutzen des Katzenklos auffallen. Solch auffällige Symptome sind immer
Grund genug für einen Tierarztbesuch! Neben einer Nierenschwäche kann auch Diabetes den großen Durst auslösen.
Im weiteren Verlauf einer Niereninsuffizienz magern die Tiere ab, weil Eiweiß von der Niere nicht mehr
zurückgehalten werden kann, bekommen ein struppiges Fell, erbrechen sich bräunlich oder kaffeesatzartig,
schlafen viel und fressen wenig.
Leider gibt es keine Möglichkeit, nicht mehr funktionsfähiges Nierengewebe wieder zu heilen. Die Behandlung
muss sich daher darauf konzentrieren, die Folgeerscheinungen abzuschwächen und die Lebensqualität für die
Katze möglichst hoch zu halten.
Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die Katze sofort nach Erkennen der Niereninsuffizienz
nur noch mit einem speziellen Diätfutter zu ernähren. Es enthält hochwertiges Eiweiß, aus dem möglichst wenig
Abbaupodukte entstehen, die den Körper belasten würden, und einen geringen Phosphorgehalt, weil die Niere in
diesem Stadium Schwierigkeiten mit der Phosphatausscheidung hat. Im Idealfall sind auch Kalium und die
wasserlöslichen B-Vitamine in ausreichendem Maße enthalten. Ansonsten sollten sie vom Tierarzt zusätzlich
verordnet werden, ebenso Carbonate, falls das Blut übersäuert ist.
Eine eigenmächtige Gabe von Vitamin- und Mineralstofftabletten ist nicht sinnvoll, weil sie zu
viele der ohnehin im Blut erhöhten Mineralien enthalten. Relativ neu auf dem Markt ist ein Krebstiere
enthaltender Futterzusatzstoff, der die körpereigenen Giftstoffe im Blut binden soll.
ABER AUFHALTEN